Wehrbeauftragter gibt Bürokratie Schuld an Problemen bei der “Gorch Fock”

Die Restaurierung des Segelschulschiffs “Gorch Fock” soll mehr als zehnmal so teuer werden wie ursprünglich geplant. Wie konnte es zu der Kostenexplosion kommen? Der Wehrbeauftragte des Bundestags führt die Probleme auch auf ein Chaos in der Bürokratie des deutschen Militärs zurück. “Es drängt sich der Eindruck auf, dass die unendliche Reparaturgeschichte für ein System organisierter Unverantwortlichkeit steht”, sagte Hans-Peter Bartels der “Neuen Osnabrücker Zeitung”.

Der 1958 gebaute Dreimaster wird seit 2016 überholt. Ursprünglich waren für die Restaurierung zehn Millionen Euro veranschlagt worden, mittlerweile werden die Kosten auf 135 Millionen Euro beziffert. Bartels sagte der Zeitung weiter: “Wenn hier jeder alles richtig gemacht haben sollte, dann muss man sich noch mal anschauen, was in der Militärbürokratie für normal gehalten wird.”

Angesichts der Kostenexplosion und eines Korruptionsverdachts hatte das Verteidigungsministerium einen vorläufigen Zahlungsstopp angewiesen. Eine Entscheidung über die Zukunft des Schiffes soll nach Ministeriumsangaben erst nach weiteren Prüfungen getroffen werden. “Ich mache mir große Sorgen um die ‘Gorch Fock'”, sagte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) der “Rheinischen Post”.Fotostrecke

Es gebe viele offene Fragen an die Werft. Die Staatsanwaltschaft müsse den Korruptionsverdacht so schnell wie möglich klären. Die Bundeswehr überprüfe intern alle Kostenberechnungen, sagte von der Leyen. “Erst mit einem klaren Gesamtbild können wir belastbare Entscheidungen über die Zukunft der ‘Gorch Fock’ treffen.”

Zunächst gab es keine unmittelbaren Hinweise, dass Korruption und Kostensteigerungen in einem Zusammenhang stehen. Gegen den Mitarbeiter des Marinearsenals Wilhelmshaven, der sich selbst angezeigt hatte, wurden Ermittlungen eingeleitet. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück hatte wegen des Korruptionsverdachts auch Büros der Elsflether Werft durchsucht.

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